Vertonte Einsamkeit
author: Intro
Derek Singleton stammt aus Texas und lebt nun in München. Eigentlich firmiert er als Frontmann einer Rock'n'Roll-Band namens TriSonics. Dass er auch andere Töne anschlagen kann, beweist er auf seiner Solo-EP "Horizon".
Bei den sechs ruhigen Songs beschränkt sich Singleton, vom Gastauftritt einer Mundharmonika im Titelstück abgesehen, ganz auf Gitarre und Stimme. Die folkigen, nachdenklichen Songs sind so klassisch arrangiert, dass man nach mehrmaligem Hören meinen könnte, sie als amerikanische Traditionals schon ewig zu kennen. Das tiefe Timbre seiner Stimme und der langsame, eindringliche Gesang passen perfekt zur verlassenen, aber nicht zu hoffnungsarmen Stimmung. Zu diesem puristischen Sound drehen sich auch die Texte um essenzielle, ja, klassische Songwriter-Themen: Veränderung, Einsamkeit und die Gedanken, die einen nachts noch vor dem Schlaf einholen.
Diese "Lonesome Blues"-Atmosphäre scheint von Altvorderen wie Neil Young, Bruce Springsteen, Johnny Cash oder Woody Guthrie inspiriert zu sein - Vorbilder, an denen man sich auch verheben kann. So gerät "Horizon" am Ende etwas getragen, etwas traurig, ein bisschen prophetisch, ein bisschen tröstend - wohltemperierte und vertonte Einsamkeit, die man sicher mögen muss.
Read more...